00:03
Lernt ein bisschen Geschichte. Lernt ein bisschen Geschichte, dann werdet ihr sehen, wie der Reporter sich damals entwickelt hat. Wie der sich damals entwickelt hat.
00:15
Hallo und herzlich willkommen bei Geschichten aus der Geschichte. Mein Name ist Richard. Und mein Name ist Daniel. Ja, und wir sind zwei Historiker, die sich hier schon seit geraumer Zeit jede Woche eine Geschichte aus der Geschichte erzählen. Immer abwechseln und auch immer so, dass der eine nie weiß, was der andere ihm erzählen wird. Bevor es hier jetzt aber weitergeht, kommt noch eine kleine Werbeeinschaltung.
00:42
Richard, Daniel, die letzten Monate können wir uns ja nicht wirklich über Langeweile beklagen. Im Gegenteil, es war eher stressig und wenn es stressig wird und man wenig Zeit hat, dann fallen, zumindest geht es mir so, liebgewonnene Routinen hinten runter. Und gerade weil ja auch gleichzeitig Urlaubszeit war und da fällt man dann ja leicht aus seinen gewohnten Mustern raus, was an sich ja auch nicht schlecht ist. Ja.
01:05
Gerade Regelmäßigkeit ist super wichtig, um eine neue Sprache zu lernen. Und damit kommen wir zu unserem heutigen Werbepartner, nämlich Bubble, die Sprachlern-App. Das Lernen mit Bubble ist nämlich so niederschwellig, dass ich diese Routine einfach beibehalten kann, auch in stressigen Phasen. Und du weißt, Richard, qui si parla italiano?
01:26
Bei Bubble geht es nicht nur darum, einzelne Wörter zu lernen, sondern man übt von Anfang an mit echten Dialogen, wie sie einem auch im Alltag begegnen. Dafür genügen 5-10 Minuten Lernen mit Bubble am Tag, so lange dauern nämlich die Lektionen in der App. Das entspricht auch der optimalen Dauer, um sich Neues zu merken. Und so passen die Lektionen auch in den vollsten Terminkalender. Bubble wird außerdem von Menschen gemacht, nicht von KI. Hinter den Lektionen und Kursen von Bubble steht ein Team aus über 200 Sprachexpertinnen und Experten.
01:54
Und das kann ich voller Überzeugung sagen, Lernen mit Bubble macht Spaß, weil man von Anfang an auch das Sprechen übt und man seine Fortschritte auch mit weiteren Konversationsübungen festigen kann. Dabei kann jeder seinen individuellen Weg finden. Es gibt eine Vielzahl an Lernmethoden und Zusatzinhalten, wie Podcasts, aus denen man flexibel wählen kann.
02:13
Und gleichzeitig lernt man nicht nur Sprechen, Lesen, Hören und Schreiben, sondern auch jede Menge über Land und Leut. Und die Zahlen sprechen für sich. Bubble hat weltweit bereits 25 Millionen Abos verkauft. Wer sich noch nicht sicher ist, kann einfach mal mit dem Lernen einer Sprache anfangen, 14 stehen zur Auswahl und für Neukundinnen und Neukunden gibt es eine 20-tägige Geld-Zurück-Garantie.
02:35
Und für alle, die hier zuhören, für dich haben wir natürlich auch ein Extra. Wer jetzt ein Bubble-Abo abschließt, bekommt bis zu 60% Rabatt. Und hat die Wahl. 6 Monate, 12 Monate oder für immer mit Bubble lernen. Weitere Infos gibt es auf bubble.com slash Geschichten. Jetzt zuschlagen, das Angebot gilt nur für kurze Zeit. Und Richard, buona giornata, den Link und alle weiteren Infos gibt es wie immer in unseren Shownotes. Fantastisch. Fantastico.
03:03
Ende der Werbung.
03:06
Werter Daniel, wir sind angekommen bei Folge 572. 571, erinnerst du dich, über was wir da sprachen letzte Woche?
03:22
Ja, du hast von den römischen Versuchen erzählt, auch eine Seemacht zu werden und hast von einer Katastrophe erzählt, wo viele der ersten großen Flotte untergegangen sind. So ist es.
03:34
Oder quasi die erste Flotte war… Erste Flotte. Hey, du hast sogar einen Titel geschrieben. Ja, aber die streng genommen, die Flotte ist Teil der ersten flotten Anstrengungen.
03:55
Zwei Dinge. Erstens, ich habe erzählt von einem Hinweis, den ich erhalten habe letztes Jahr, im Jahr 2025, habe aber unterschlagen, dass Jan mir schon im November 2021 diesen Hinweis geschickt hat. Ja.
04:08
Schande über mich, aber hiermit nachgeholt. Und ich habe dann auch gesehen, dass Andrea im Mai 2024 eine ganze Liste an Themen geschickt hat und darunter war auch Kamarina. Deshalb, ja, es tut mir leid, hiermit nachgeholt. Vielen Dank Jan und Andrea für ebenfalls Hinweisgebung zu diesem Thema.
04:30
Und dann eine andere Sache. Du weißt ja, ich mache nichts lieber, als mich korrigieren lassen, wenn ich Dinge falsch ausgesprochen habe. Ja, absolut. Was aber auch bedeutet, dass ich dann hin und wieder auch gern darauf hinweise, dass wenn mir jemand sagt, dass ich etwas falsch ausgesprochen habe und es war gar nicht falsch, ich das auch...
04:51
Noch gern erkläre, warum. Du wirst es auch gerne honoriert haben, Richard. Ich glaube, in dem Fall ist es sinnvoll, weil es einige Male gekommen ist und ein Missverständnis ist, das leicht erklärbar ist. Und zwar geht es um den Namen Hamilka. Hamilka, der die Flotten beim Berg Egnomos gegen die Römer angeführt hat. Und Hamilka wurde mir geschrieben, der spricht sich eigentlich Hamilka aus. Nur eben nicht. Und die Verwirrung ist naheliegend, weil Hannibal, spricht man so aus, Hannibal, Betonung auf der ersten Zebe.
05:27
Nur bei Hamilka, da kommt eben, und das ist die Eine lateinische Aussprache. Also da kommen die lateinischen Regeln rein und da geht es um schwere und um leichte Silben und dann geht es darum, an welcher Stelle die stehen. Und im Fall von Hamilka ist es eben tatsächlich so, dass man ihn Hamilka aussprechen muss, weil es eine schwere Silbe ist im Vergleich zu Hannibal. Also, falls sich jemand gefragt hat, was hat das denn mit Milka zu tun? Ja...
05:54
Schokolade und so weiter. Es heißt halt so, ja, Hamilka. Und dazu möchte ich aber halt auch noch was sagen. Hamilka ist St. Kartager gewesen und die punische Sprache zumindest, bevor die neue punische Sprache gekommen ist, die haben ohne Vokale geschrieben. Das heißt, es ist sowieso schwierig zu wissen, Wie wurde was ausgesprochen? Und die Art und Weise, wie wir heute Hamilka aussprechen, ist halt auch schon durch mehrere Filter gelaufen. Mehr griechisch-lateinische Filter. Und es gibt dann halt diverse Rekonstruktionen, Möglichkeiten, wo man sagen kann, okay, Sie haben das höchstwahrscheinlich so oder so ausgesprochen.
06:27
Meistern wird diesem Konsens angekommen, dass bei Hamilka wird es eben so basierend auf diesen lateinischen Regeln aussprochen. Hamilka. Aber wie gesagt, auch eine Rekonstruktion und wir können es zwar gut begründen und es gibt unterschiedliche Ansätze, um zu sagen, so ist es höchstwahrscheinlich ausgesprochen worden. Beweisen lässt sich es aber nicht. Deswegen würde ich sagen, gerade bei katharischen Namen Lassen wir die Kirche im Dorf bzw. den Baal im Tempel.
06:55
Fantastisch. Wir hatten es ja auch neulich bei der Nofretete. Wir machen es ja da sogar so, dass wir es absichtlich weiterhin falsch aussprechen, wo wir wissen, dass sie damals nicht Nofretete ausgesprochen wurde.
07:08
Also ich würde sagen, gerade bei so antiken Namen, wie akkurat man da sein muss oder kann überhaupt sein.
07:16
Oder kann. Das ist vor allem das Ding. Ich meine, wenn es natürlich so einen Konsens gibt zu gewissen Namen, dann schadet es nicht, den zu verwenden. Aber ich glaube, Hamilka wäre mir wahrscheinlich nicht so böse gewesen oder anderen, wenn Hamilka ausgesprochen wird.
07:36
Gut, ich habe auch noch Feedback zur vorletzten Folge, wo es um die Erfindung der Konservendose ging.
07:43
Und zwar zwei Dinge zum einen zum Thema Einkochen. Ich nenne das ja in einem Atemzug mit Pökeln und Fermentieren, wo ich sage, da wird das Nahrungsmittel in seiner Struktur stark verändert. Und mir haben mehrere Leute geschrieben, so, ja, aber Einkochen ist doch, da verändere ich doch nicht die Struktur des Lebensmittels.
08:00
Und es stimmt natürlich, Eigenkochen gehört eigentlich nicht in diese Liste, weil Eigenkochen ist eigentlich eine Art der Hitzesterilisation und etabliert sich ja tatsächlich auch erst im Nachgang zu Appair und der Konserve. Ich hatte irgendwie so im Kopf, dass Einkochen was ist, was man schon immer irgendwie macht, aber ist gar nicht so. Also Einwecken zum Beispiel, diese Weckgläser, die kommen auch erst um 1900 auf.
08:21
Und das Zweite betrifft die Behandlung einer Botulismusvergiftung. Und ich behaupte ja, also deine Nachfrage hat es mir eigentlich eingebrockt. Weil du fragst, was man da machen kann. Und ich sage dann so, ja gut, man kann nur symptomatisch behandeln und hoffen.
08:37
Und es stimmt allerdings nicht, wie mir mehrere Personen geschrieben haben. Es gibt ein Medikament, ein Botulismus-Antitoxin. Und dieses Antitoxin, wie mir Tobias schreibt, das gehört in die Notfalldepots und müssen von großen Kliniken und Apotheken vorgehalten werden. Verstehe. Und man kann auch so einiges tun. Das Einzige ist, wenn das Gift bereits auf den Nerven fixiert ist, dann kann man nichts mehr dagegen tun. Aber es gibt schon noch einige Maßnahmen, die man treffen kann, außer abwarten.
09:08
Sehr gut. So, dann würde ich sagen, Richard, hast du hoffentlich was vorbereitet?
09:16
Mach mir nicht schwach, guter Mann. Du kennst die Reihenfolge.
09:23
Ich freue mich schon sehr, dass ich eine Geschichte erzähle, kriege.
09:25
Vielleicht eine Sache noch. Unser Buch ist jetzt draußen. Ah ja. Mehr Geschichten aus der Geschichte. Vielen, vielen Dank an alle, die es schon gekauft, gelesen, kommentiert und uns Feedback gegeben haben. Wir freuen uns sehr und sind, also ich bin stolz auf das Buch. Also auch das grüne Cover gefällt mir.
09:42
Schönes grünes Cover. Und ich muss auch dazu sagen, für alle, die es nicht, und das weiß niemand, woher auch, beim ersten Buch haben wir ja so eine Straße gehabt, weil da ist so ein Reisen gegangen, die sich so geschlängelt hat über das Buch.
09:55
Und ein gewisser Herr Messner ist auf die Idee gekommen, vielleicht können wir das jetzt mit dem machen, was aus so einem Reagenzglas kommt.
10:03
Das ist auf deinem Mist gewachsen, dass wir jetzt diese Anlehnung haben. Weil ich weiter diese Straße haben wollte, diesen Weg. Und du hast immer gesagt, na, aber es ist ja jetzt kein Expeditionsbuch mehr. Da geht es ja jetzt gar nicht mehr um Leute, die Wege gehen. Aber eigentlich ist es egal, ich hätte trotzdem gerne diesen Weg. Und dann haben wir Gott sei Dank diese Lösung gefunden.
10:22
Ja, hervorragend.
10:24
Gut, in diesem Fall, werter Daniel, wie schauen wir ihn aus? Was hast du mitgebracht?
10:31
Ich würde sagen, gehen wir es an. Richard, am 17. Juni 1922 sitzen in Atlantic City in einem Hotelzimmer Sir Arthur Conan Doyle, seine Frau Jean Lackey und der Zauberkünstler Harry Houdini an einem Tisch. Hm.
10:49
Der Raum ist abgedunkelt, Lady Doyle hält einen Stift in der Hand, gerät in Trance und beginnt irgendwann zu schreiben. Sie lässt sich aus dem Jenseits einen Brief diktieren. Ein Brief, von dem sie behauptet, er wäre von Houdinis Mutter an ihren Sohn. Doyle erinnert sich folgendermaßen an diesen Abend.
11:07
Meine Frau, die mit der Hand um sich schlug und auf den Tisch hämmerte, während sie wie wild mitschrieb. Ich saß ihr gegenüber und riss Blatt für Blatt aus dem Block, sobald es voll war und warf jedes einzelne zu Coudini hinüber, während er schweigend da saß und von Minute zu Minute grimmiger und blasser wurde.
11:25
Houdini lässt sich zwar nichts anmerken, aber ist nicht überzeugt von dem, was da vor sich geht. Nach diesem Abend werden aus diesen zwei berühmten Männern, die sich eigentlich sehr geschätzt haben, die Freunde sind. Aus den beiden werden Gegner, die ihren Streit öffentlich über die Medien ausfechten.
11:44
Und Richard, ich gehe mal davon aus, dass dir der Streit zwischen dem großen Zauberkünstler Harry Houdini und dem Sherlock-Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle nicht unbekannt ist.
11:55
Nicht unbekannt, aber auch nicht sehr bekannt.
11:59
Wir sprechen in dieser Folge aber nicht nur über diese Auseinandersetzung. Wir müssen auch ein wenig über Spiritismus reden und über Seancen. Aber vielmehr geht es eigentlich ums Zaubern. Aber nicht im magischen Sinn, sondern wie aus den Gauklern mit Taschenspielertricks dann im 19. Jahrhundert die großen und spektakulären Zaubershows entstehen.
12:20
Hervorragend.
12:21
Kannst du eigentlich einen Zaubertrick? Kann ich einen Zaubertrick.
12:26
Nein. Doch, ich kann, wenn man einen Zauberstab so in die Hand nimmt und dann bewegt man so ein bisschen und dann schaut es ein bisschen so aus, als wäre er weich. Das ist das Erste, was man kann.
12:41
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das als Trick gelten lassen kann.
12:45
Natürlich ist es ein Trick, weil das Ding ist ja trotzdem fest. Man führt jemanden hinters Licht.
12:51
Okay, aber ich wollte eigentlich sagen, ich kann leider keinen Trick, aber dann kann ich auch einen Trick sagen. Ich kann einen Geldschein so falten, dass er am Ende umgedreht ist. Schauen wir. Das zeige ich dir beim nächsten Mal.
13:02
Ich bin schon gespannt.
13:06
Wobei eigentlich so für so die echten Zaubertricks fehlt es mir eigentlich an der Fingerfertigkeit.
13:12
Und ich hatte auch nie den Ehrgeiz, da länger irgendwas zu üben. Same. Aber ich bin schon immer fasziniert gewesen vor diesen großen Zaubershows. Also in meiner Jugend, das war ja noch die große Zeit von David Copperfield.
13:24
Ich habe ihn nie live gesehen, aber ich kann mich gut an diese Großillusionen erinnern, wo er zum Beispiel durch die chinesische Mauer geht oder die Freiheitsstatue verschwinden lässt.
13:32
Und der bekannteste Zauberkünstler aller Zeiten ist aber wahrscheinlich Eric Weiss, besser bekannt als Harry Houdini, der sich in Anlehnung an einen anderen Zauberkünstler so genannt hat, nämlich... Jean-Eugène Robert Audin. Kennst du Audin? Also hast du schon mal von ihm gehört? Nein. Der wiederum gilt als der erste moderne Zauberkünstler, weil der versteht sich nicht als Gaukler, wo die Zaubertrick-Tradition eigentlich herkommt, also von den Jahrmärkten und den Taschenspielertricks. Houdini liest nämlich in jungen Jahren seine Biografie und ist tief beeindruckt und nennt sich eben daher nach dem Audin Houdini.
14:10
Und es gibt schon seit der Antike eine Tradition der Gauklerkunst mit Zaubertricks. Und darauf bezieht sich auch der Begriff der Taschenspielertricks. Also das sind Tricks mit kleineren Gegenständen, die die dann in einer Umhängetasche bei sich hatten. Also Würfel, Messer, Becher, Bänder. Also alles Dinge, wo es vor allem so um Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit geht.
14:31
Es gab aber auch schon so die ersten Verschwindetricks, also wo diese Gaukler dann Gegenstände oder kleinere Tiere haben verschwinden lassen.
14:38
Oder Münzen. Münzen, genau. Mit der Verbreitung der Spielkarten kommen dann im Laufe des 15. Jahrhunderts auch die Kartentricks dazu. Mhm.
14:47
Und diese Gaukle, die ziehen dann zunächst mal wie die meisten Jahrmarktstruppen durch die Lande, geben dort ihre Vorstellungen dann auf den Jahrmärkten. Und das ändert sich dann so in der frühen Neuzeit, so im 16. und 17. Jahrhundert. Da schaffen es nämlich dann einige von ihnen auch auf die Fürstenhöfe. August der Starke zum Beispiel, der macht den Zauberkünstler Josef Fröhlich zu seinem persönlichen Hoftaschenspieler. August der Starke. Der hat er sowieso dabei auch so interessiert an der Alchemie. Genau. Und dann schließlich im 19. Jahrhundert kommt dann so die entscheidende Wendung.
15:20
Houdin, der etabliert nämlich die Zauberkunst als Unterhaltungsshow, wo er auch das Pariser Bürgertum die Abende verbringt. Seine Soires Fantastiques, die finden dann seit den 1850er Jahren in seinem eigenen 200 Plätze fassenden Theater Robert Houdin statt.
15:38
Dort feiert er am 3. Juli 1845 Premiere. Und dort tritt er jetzt auf in einem eleganten Anzug. Und er prägt im Grunde so bis heute das Bild von Zauberkünstlern. Also eine Unterhaltungsform fürs Theater und eben nicht mehr für den Jahrmarkt.
15:55
Er führt auch den schwarz-weißen Zauberstab aus Ebenholz mit dieser Elfenbeinverzierung ein. Die hast du wahrscheinlich auch im Kopf gehabt vorhin, als du von dem Zaubertrick erzählt hast. Ja, genau so einen habe ich gehabt. Den führt er ein. Und gleichzeitig eben auch diese Art und Weise, die Zauberkunst zu einer Abendveranstaltung zu machen, wo man ins Theater geht für. Und gleichzeitig gilt er auch als Pionier der selbstgebauten Zauberautomaten.
16:24
Das ist eine Tradition, die gibt es auch schon länger. Davon erzählst du nämlich in Folge 251, wo es um den Schachtürken geht. Und seine Show ist eine Verbindung von einerseits Geschicklichkeit mit klassischen Taschenspielertricks und mechanischen Effekten durch die Automaten. Also er war ein ausgebildeter Uhrmacher, daher konnte er auch das Bauen übernehmen.
16:45
Berühmt ist ein magischer Orangenbaum. Also es war so ein kleiner mechanischer Baum, der plötzlich aufblüht, dann wachsen an diesem Baum Orangen, die pflückt daran, wirft sie ins Publikum, um zu zeigen, hey, das sind echte Früchte.
16:59
Eine Frucht allerdings, die pflückt er und nimmt sie in die Hand, eröffnet sie selber und herausfliegen zwei mechanische Schmetterlinge. Hervorragend. Das ist eines seiner berühmtesten Automatentricks. Es ist aber nicht nur oder also Johann Nepomukow Zinser zum Beispiel. Dem gelingt nämlich in Wien die Zusammenführung von Zauberkunst und der Salonkultur.
17:24
Der Hofzinser eröffnet 1856 in der Wollzeile in Wien einen eigenen Zaubersalon, der offiziell von seiner Ehefrau geführt wird. Und seine Tricks, die werden begleitet von literarischen, satirischen Texten und Vorträgen, die er da rezitiert. Außerdem werden seine Auftritte auch von einem Pianisten begleitet. Und im Salon braucht es natürlich ein hohes Maß an Geschick, weil er sehr nah am Publikum ist. Und er legt daher so den Schwerpunkt auf Kartentricks.
17:53
Und der Audin, der beschreibt diese Veränderung, so im 19. Jahrhundert, der Zauberkünstler folgendermaßen. Der Zauberkünstler, schreibt er, ist kein Gaukler, sondern ein Schauspieler, der die Rolle eines Zauberkünstlers spielt.
18:08
Und das ist auch der Grund, warum die großen Zauberkünstler im 19. Jahrhundert oft eigene Bühnenpersonen entwickeln. Wie zum Beispiel William Robinson.
18:17
Also als Robinson The Man of Mystery hat er wenig Erfolg. Daher kopiert er einen chinesischen Zauberkünstler und Zhongluo, den Jingling Fo. Und er nennt sich dann Zhongling So. Und damit er nicht entlarvt wird, hat er angefangen, seine Bühnenpersona dann auch abseits der Bühne zu spielen.
18:37
Er hat auch nicht auf der Bühne geredet, damit es nicht auffällt, was eigentlich einen amerikanischen Akzent hat. Er kopiert aber nicht nur den Namen, sondern auch einen bekannten Trick. Nämlich holt er aus seinem weiten Seidengewand ein großes, volles Goldfischglas voll mit Wasser vor.
18:53
Und das Glas war mit einer speziellen Aufhängung hinter den Beinen befestigt, was wegen des weiten Gewands dann nicht sichtbar war. Aber das führt dazu, dass er leicht humpeln muss.
19:03
Und damit es nicht auffällt, hat er das während der gesamten Vorstellung gemacht. Und irgendwo habe ich sogar gelesen, dass er das auch privat gemacht hat, um nicht aufzufliegen.
19:10
Aber sage mal, er hat es so getan, als wäre er Chinese. Ja, genau. Aufgeflogen ist er erst nach seinem Tod. Und dieser Tod, der ist recht tragisch, weil Robinson stirbt auf der Bühne.
19:23
Also in seiner Show gab es eine Nummer, wo er vorgibt, mit einem Teller aus chinesischem Porzellan eine Pistolenkugel aufzufangen. Der Trick hieß auch die lebende Zielscheibe. Und eigentlich befand sich in den Pistolen, mit denen auf ihn geschossen wurde, eine eingebaute Sperre, die den Abschuss der eigentlichen Kugel verhindert, sodass nur Schießpulver knallt. Aber bei seiner letzten Aufführung im März 1918, da geht der Trick schief. Er wird auf der Bühne in die Brust getroffen und stirbt, Und dann kommt raus, er ist gar kein Chinese.
19:54
Er ist eigentlich ein amerikanischer Zauberkünstler, der einen chinesischen Zauberkünstler kopiert hat.
20:00
Also erst da kommt es dann raus? Erst da kommt es raus, ja.
20:04
Und die Zauberkünstler haben dann versucht, ihre Shows immer spektakulärer zu machen.
20:11
Also Houdini ist ja bekannt als Entfesselungskünstler, der sich in scheinbar ausweglose Situationen bringen lässt.
20:20
Also eines seiner spektakulärsten Tricks ist, im Juli 1912, da lässt er sich an Armen und Beinen fesseln, steigt in eine Holzkiste, die Holzkiste wird vernagelt, mit Seilen zugebunden und anschließend wird die Kiste im East River versenkt. Nach 750 Sekunden taucht Houdini dann wieder auf.
20:40
Oder berühmt ist auch der Trick, wo er kopfüber gefesselt in einer Zwangsjacke über dem Times Square in New York hängt. Er lässt sich aber auch in Milchkannen sperren oder von oben gefesselt in einen wasserbefüllten Behälter hängen. Diesen Behälter nennt er Water Torture Cell. Und noch krasser ist der Trick, von dem hast du vielleicht auch schon gehört. Im August 1926 lässt er sich in einem Metallsarg im Hotel Shelton in einen Pool versenken für 91 Minuten.
21:09
Das heißt, in dieser Zeit werden die Aufführungen immer aufwendiger, teilweise mit komplexen Apparaten. Und daher kann man sagen, um 1900 erlebt die Zauberkunst den ersten Höhepunkt. Das ist eben auch genau die Zeit, in der Houdini mit seinen Tricks für Furore sorgt. Und das Publikum, und das ist ein wichtiger Punkt, wenn wir gleich über Spiritismus reden, das Publikum geht bei den Zaubershows nicht davon aus, dass da was Übernatürliches passiert.
21:34
Also das Verständnis ist nicht, da werden die Naturgesetze ausgehebelt. Der Spaß beim Zuschauen ergibt sich daraus, eben nicht mitzubekommen, wann man da gerade hinters Licht geführt wurde.
21:46
Also die Frage ist sich zu stellen, an welcher Stelle hat man nicht genug aufgepasst oder wo ist man abgelenkt worden?
21:52
Das ist eben der entscheidende Punkt. Du gehst nicht davon aus, dass hier jemand was tut, was eben außerhalb der physikalischen Gesetze passiert.
22:01
Und ist das neu im Vergleich zu den Gauklern zum Beispiel? Also ist es bei den Gauklern eher so gewesen, dass die Leute auch eher davon ausgegangen sind, dass jemand magische Kräfte hat?
22:10
Genau, das ist eben da auch so. Man geht bei den Gauklern auch schon davon aus, dass die einen Trick machen und dass es nichts Übernatürliches ist. Also die Zauberkunst kommt aus der Gauklertradition und die kommt eben nicht aus dieser magischen Tradition des Übersinnlichen.
22:25
Es ist lustig, weil die, wenn man so drüber nachdenkt, man geht wahrscheinlich eher davon aus, eher die Leute früher, die waren leichtgläubiger oder die haben an Magie und so weiter geglaubt, aber wenn man sich dann anschaut, wie der Spiritismus entsteht, das ist eigentlich eher das, was so in den gebildeten Kreisen dann eher so aufkommt und nicht irgendwie was ist, weil jemand irgendwie nicht genug über die Welt weiß oder abergläubisch oder sonst wie es ist.
22:51
Ganz genau, ja. Und diese Gaukler, die haben ja auch Dinge gemacht, wie die haben sich vor dich gestellt und haben eine Münze irgendwie verschwinden lassen oder so. Also es war jetzt auch, glaube ich, das war noch keine Zaubershow in dem Sinne, wo man sich gedacht hat, hey, das kann ja wohl nicht wahr sein.
23:03
Ja, vor allem, wenn jemand wirklich magische Kräfte hat, was reißt er dann in der Gegend rum und lässt Münzen verschwinden? Ja, hätte Besseres zu tun.
23:12
Absolut. Den selben Trick nämlich in der Bank machen.
23:17
Ja, zum Beispiel.
23:19
Und weil ich vorher von David Copperfield und der weggezauberten Freiheitsstatue erzählt habe, das sind die sogenannten Großillusionen. Und Houdini hat mal folgenden Trick gemacht, auch sehr ähnlich. Im Januar 1918 im New Yorker Hippodrom, voll besetzt mit 5200 Personen, auf der Bühne ist Houdini mit der Elefantendame Jenny.
23:40
Es wird ein Zirkuswagen auf die Bühne geschoben, Jenny wird reingeführt. Plötzlich feuert Houdini mit einer Pistole einen Schuss ab, also schießt Amelie in die Luft und Jenny ist verschwunden. Sie ist in dem Wagen nicht mehr zu sehen. Sie ist natürlich immer noch drin, aber es ist wie so oft ein optischer Trick. Also innen ist der Wagen schwarz bemalt und somit Spiegel ihn drapiert, dass man ihm durchschauen kann oder dass man das Gefühl hat, man schaut durch, obwohl die Elefantendame noch drin steht.
24:07
Spoiler.
24:10
Das ist aber ganz oft so, dass die mit optischen Tricks arbeiten. Also gerade die optischen Tricks sind mit das Wichtigste der Zauberkünstler.
24:17
Wie eben bei, was du vorhin erwähnt hast, Copperfield und die Freiheitsstadt.
24:21
Das sind natürlich alles sehr aufwendige Tricks, aber das ist eben was, was um 1900 aufkommt, weil die Tricks immer spektakulärer werden.
24:30
Der Harry Houdini, der kommt 1874 als Eric Weiss in Budapest auf die Welt. Und es macht auch so ein Stück weit seinen Mythos aus, weil er wird im Grunde so zu einem Sinnbild für den amerikanischen Traum. Also er stammt aus armen Verhältnissen, arbeitet sich hoch und wird letztlich zum internationalen Superstar.
24:49
Er beginnt seine Karriere übrigens, seine Zauberkarriere, als King of Cards, also mit Kartentricks. Und es ist nur mäßig erfolgreich damit.
25:00
Die Superlative müssen natürlich immer sein, gell? Genau. Also du bist nicht einfach nur Lord of Cards oder so Good at Cards, du bist King of Cards.
25:10
Ja.
25:11
Und das geht so lange, bis er die Entfesselungstricks für sich entdeckt. Er beginnt dann so, also die ersten Entfesselungstricks, die er macht, da lässt er sich dann von der Polizei Handschellen anlegen oder sich einsperren. Und es läuft dann mit dem Entfesseln so gut, dass er dann eine Europatour startet und dort wirklich für Furore sorgt. Also er kommt als Star zurück in die USA. Und es dauert dann auch nicht lang. Da steht dann das Wort Houdini im Grunde für jemanden, der sich aus jeder ausweglosen Situation befreien kann.
25:40
Und Richard, lass uns an der Stelle mal kurz das Thema wechseln. Erinnerst du dich an folgenden Einstieg einer Folge von dir?
25:50
Und das Jahr ist das Revolutionsjahr 1848. Und in einem unscheinbaren Holzhaus beginnt hier eine ganz eigene Revolution. Eine Geschichte, die sich tief ins kulturelle Gedächtnis der USA einbrennen wird.
26:06
In diesem kleinen Holzhaus, da wohnt nämlich die Familie Fox. Und in diesem Holzhaus ist eines Tages ein Klopfen zu vernehmen. Ein Klopfen, so ein bisschen ein Schaben auch. Es kommt aus den Wänden, es kommt aus dem Boden, es kommt aus der Decke. Es ist leise, aber regelmäßig. Und die jüngsten Töchter der Fox-Familie, Kate und Margaret, die sind 13 und 15 Jahre alt, Die behaupten, ein Geist sei am Werk. Ein Toter und er will sich bemerkbar machen.
26:38
Weißt du, woher es kommt? Natürlich.
26:41
Das war meine Folge über den Mammler, den Geisterfotograf. Richtig.
26:45
Folge 505. Das ist dein Einstieg, wo du im Grunde den Beginn des modernen Spiritismus beschreibst.
26:51
Mhm.
26:53
Also die Fox-Schwestern lösen damit eine große Bewegung aus, nicht nur in den USA. Und im Zentrum dieser Bewegung, also des Spiritismus, steht die Kommunikation mit Verstorbenen.
27:04
Und was die Fox-Schwestern vor allem etablieren, ist eine bestimmte Form der Geisterbeschwörung, nämlich die Seancen. Also eine spiritistische Sitzung, eine Gruppe mit mehreren Personen, die meistens um den Tisch sitzen, wo eine Person behauptet, ein Medium zu sein. Und in welcher Form auch immer, es gibt dann mehrere Varianten, die dann mit den Verstorbenen kommunizieren. Die Seancen sind an sich eher kleine, intime Runden, weil es ja auch eine recht emotionale und auch persönliche Situation ist, wenn man bedenkt, dass man ja gerade versucht, mit einem verstorbenen Verwandten zu kommunizieren.
27:41
Und das ist zumindest so, bis die Brüder Davenport, Ira Erastus und William Henry kommen. Die Brüder Davenport sind die ersten international bekannten männlichen Medien.
27:54
gelten auch als Magierduo, weil sie berühmte Entfesselungskünstler waren. Ihr bekanntester Trick ist das Spirit Cabinet. Beim Spirit Cabinet, da sitzen die beiden in einem Schrank, in dem sich Instrumente befinden. Die beiden lassen sich fesseln und dann tun sie so, als wäre es eine spiritistische Sitzung. Also es wird abgedunkelt und sie nehmen Kontakt zu den Toten auf und dann fangen die Musikinstrumente an zu spielen.
28:23
Und sie können es ja nicht sein, die die spielen, weil die sind ja gefesselt. Und nachdem das Licht wieder angeht und die Tür zu dem Cabinet geöffnet wird, sind die Instrumente stumm und die beiden Brüder sitzen noch immer gefesselt da.
28:38
Also die Davenport-Brüder sind berühmt dafür, dass sie den Spiritismus auf die Bühne bringen und daraus eine Zaubershow machen. Und Houdini hat die Davenports bewundert, nicht zuletzt, weil die sehr gut in den Entfesselungstricks waren. Und Houdini war auch 1887 als Zuschauer bei einer ihrer Shows und hat sich eben inspirieren lassen. 1911 trifft Houdini Ira, also einen der Brüder. William, der zweite Bruder, ist zu dem Zeitpunkt nämlich schon tot. Der stirbt während ihrer Australientour.
29:10
Also die Davenport-Brüder machen eine Australientour, da stirbt der William. Und Houdini, als er dann seine Australientour macht, lässt er das Grab von William herrichten. Und Ira trifft sich also dann mit Houdini und verrät ihm auch einige Tricks. Aber es ist nicht nur einmal passiert, dass die Show der Davenport-Brüder völlig misslungen ist.
29:32
Einmal zum Beispiel macht ein Zuschauer während der Show eine Taschenlampe an, um zu zeigen, dass die beiden während der Nummer gar nicht mehr gefesselt da sitzen. Aber es ist zum Beispiel so 1865, da sind die Davenports in England unterwegs auf Tour.
29:48
Und da kommt es noch schlimmer. Da ist nämlich so, in Liverpool werden die Knoten an ihren Händen so festgemacht, dass sie die nicht lösen können. Und als Ausweg sagen sie, wir beenden jetzt die Show, weil uns tun die Hände weh. Wir können nicht weitermachen. Und daraufhin kommt es zu Tumulten im Publikum und die stürmen des Spirit Cabinet und Zertrümmerns. Die Davenports fliehen derweil aus der Stadt.
30:14
Nein.
30:16
Und die werden dann durch einen anderen berühmten Zauberkünstler überführt, nämlich durch John Neville Maskelein. Der ist wie Houdin auch Uhrmacher, ist Brite und 1839 geboren. Und Maskelein erwähne ich deshalb nicht nur, weil er die Davenports entlarvt, sondern weil Maskelein ist der erste große britische Zauberkünstler. Der gründet in London das Zaubertheater in der Egyptian Hall und nutzt dort aus, dass er dauerhaft diesen Ort besetzt.
30:46
Also er kann die Bühne vollständig für seine Tricks umbauen.
30:50
Deshalb heißt es auch, dass der Maskelein im Grunde derjenige ist, der das Genre der Großillusion erfindet. Und er ist auch bekannt für einen der bekanntesten Zaubertricks überhaupt. Die schwebende Frau. Die schwebende Frau. Die Maskelein Levitation.
31:08
Und als er eine Show der Davenports besucht, sieht er wohl, dass die sich entfesseln, während sie diesen Trick machen. Und deshalb macht er es sich jetzt zur Aufgabe, die beiden zu entlarven. Und das macht er, indem er den Trick einfach nachbaut. Also mit einem befreundeten Zauberkünstler baut er dieses Spirit Cabinet nach und zeigt eben, dass es nur ein Trick ist.
31:31
Allerdings war diese Art der Überführung gar nicht so wirkungsvoll, wie er hofft. Es führt jetzt nicht dazu, dass die Davenports keine Shows mehr spielen. Und dass diese Wirkung des Überführens von spiritistischen Medien gar nicht so wirkungsvoll ist oft, das lässt sich auch an einer Person gut zeigen, die trotz vieler Scharlatane und Entlarvungen fest an den Spiritismus geglaubt hat. Und das ist Sir Arthur Conan Doyle, der Autor von Sherlock Holmes. Ja. Und das Überraschende ist ja, dass Sherlock Holmes ist wahrscheinlich der berühmteste Detektiv der Welt und er steht wie kaum jemand anderes für rationales Denken und für ein wissenschaftliches Weltbild.
32:09
Aber sein Autor Doyle, für den sind so überführte Scharlatane wie die Davenports überhaupt kein Grund am Spiritismus an sich zu zweifeln.
32:20
Und es betrifft ja nicht nur die Davenports, auch eine der Fox-Schwestern, mit denen das ja alles angefangen hat, Margaret Fox, die gibt 1888 in einem Zeitungsartikel ja auch zu, dass sie die Klopfgeräusche mit ihren Zehen erzeugt hätten. Und auch im selben Jahr erscheint auch das Buch The Death Blow to Spiritualism, Being the True Story of the Fox Sisters, autorisiert von beiden Schwestern, aber es führt eben nicht dazu, dass Doyle zweifelt. Ja.
32:46
Doyle ist nämlich nicht nur der Erfinder von Sherlock Holmes, er ist auch in dieser Zeit der berühmteste Wortführer des Spiritismus. Er macht unter anderem auch mehrere Touren und zwar nicht um sein Büchern zu lesen, sondern über Spiritismus zu reden. Und diese Touren, also die führen ihn zweimal in die USA und sogar bis Australien. Und da tritt auch tatsächlich bei ihm sein schriftstellerisches Werk immer weiter in den Hintergrund. Also es war ihm gar nicht mehr so wichtig. Spiritismus ist so sein Thema, mit dem er sich da in dieser Zeit beschäftigt.
33:18
Weil Spiritismus für ihn nämlich mehr ist als nur mit Toten in Kontakt treten. Es ist eine Art, und das arbeitet dann auch Houdini später raus, eine Art Religion. Also er versucht auch tatsächlich eine Verbindung zum christlichen Glauben zu schaffen. Er bezeichnet den Spiritismus auch als neue Offenbarung Gottes. Und er arbeitet zunächst als Arzt in Edinburgh und schreibt erstmal nebenbei. Also ist zunächst mal gar nicht hauptberuflich Autor, sondern das kommt dann erst Stück für Stück. Und beginnt in dieser Zeit aber auch schon zum ersten Mal, so in den 1880er Jahren, sich mit Spiritismus zu beschäftigen.
33:52
Das ist ganz lustig, weil es ist ein bisschen wie Dr. Jekyll und Mr.
33:56
Hyde. Auf der einen Seite hast du den Doktor, der so rational ist und er schreibt Bücher über jemanden, der sehr rational ist und auf der anderen Seite das Gegenteil eigentlich.
34:06
Ja, voll. Und entscheidend für seine wirklich intensive Hinwendung zum Spiritismus ist dann der Erste Weltkrieg. Kriege sind ja für viele die Motivation, sich mit Spiritismus zu beschäftigen. Du beschreibst in deiner Folge über die Geisterfotografie auch, dass viele eben Kontakt zu den Toten des Bürgerkriegs aufnehmen wollen. Und das ist einer der Gründe, warum der Spiritismus auch zu der Zeit so aufkommt und beliebt wird.
34:32
Und Doyle hat auch einige Verwandte im Krieg verloren. Sein Sohn Kingsley wird 1916 schwer verwundet und stirbt dann 1918 an der spanischen Krippe. Und noch während des Krieges, also 1916, bekennt sich Doyle erstmals öffentlich zum Spiritismus. Er veröffentlicht nämlich ein Spiritismusmanifest. Und dort schreibt er tatsächlich auch von der neuen Offenbarung, durch die sich Gott den Menschen wieder mitteilen würde. Jesus beschreibt er als Medium und die frühen Christen als Spiritisten.
35:02
Das ist eben jetzt der Zeitpunkt, wo sein schriftstellerisches Schaffen auch für ihn in den Hintergrund rückt. Wichtiger für ihn ist jetzt die Rolle als Sprachrohr des Spiritismus und so sieht er sich auch. Also er sagt, er muss seine Bekanntheit nutzen, um den Spiritismus zu verbreiten. Und wegen des schweren Verlusts kommt auch Harry Houdini zum Spiritismus.
35:25
Also erstmal gar nicht als Gegner. Seine Mutter Cecilia Weiß stirbt nämlich 1913 und zu ihr hat er ein sehr inniges Verhältnis. Und daher beginnt er dann, Seancen zu besuchen und nach Beweisen zu suchen für echte Geisterkontakte.
35:39
Und er schreibt an einer Stelle auch, I was willing to believe, even wanted to believe. Also er wollte eigentlich glauben, aber dann ist Folgendes passiert. Wie genau der Kontakt zustande kommt, ist heute nicht mehr nachvollziehbar, aber irgendwann so ab März 1920 beginnen Doyle und Houdini sich zu schreiben.
36:01
Doyle ist überhaupt fasziniert von Houdinis Zauberkünsten und Doyle macht auch schon so Andeutungen, dass er die Fähigkeiten Houdinis überhaupt für übernatürlich hält. Und die schreiben sich, Houdini schickt Doyle zum Beispiel auch sein Buch über Audin Also er hat ein Buch über Audin geschrieben, den er zwar anfangs ja sehr bewundert hat, nachdem er seine Biografie gelesen hat, aber jetzt hat er sich sehr kritisch mit ihm auseinandergesetzt und schickt eben dieses Buch dem Doyle. Und es geht in diesem Briefwechsel auch viel über Spiritismus und die tauschen sich viel über verschiedene Medien aus, auch über Bücher zum Thema Spiritismus.
36:38
Und übrigens da ein kurzer Exkurs. Es gibt einen interessanten Kommentar von Houdini. Doyle schreibt ihm nämlich, dass er 96 Bücher auf seinem Schreibtisch liegen hätte, wo du dir denkst, das kommt mir bekannt vor. Großer Schreibtisch auch. Worauf Houdini antwortet, It may interest you to know that I travel with a bookcase containing over 100 volumes.
37:04
Und ich dachte immer, okay, irgendjemand muss den tragen und er ist es wahrscheinlich nicht, wenn er da auf Reisen ist. Und Doyle antwortet ihm daraufhin, I have 200 now and I have read them too. Oh man. Aber man sieht, die beiden, also die verstehen sich ganz gut, die freunden sich an, also die haben beiden einen sehr herzlichen Umgang. Ja. Haben sich aber erstmal noch nicht persönlich getroffen, sondern das ist erstmal ein Briefkontakt.
37:35
Und als Houdini dann auf Tour in England ist, kommt er dann zum Essen vorbei bei den Doyles in Wendlesham in Surrey. Houdini, also bei diesem Treffen, da sind auch die drei Kinder von Doyle am Tisch und Houdini macht dann so Kartentricks für die und Doyle erzählt dabei von den Seancen, wo er mit seinem verstorbenen Sohn und seinem Bruder kommuniziert hätte.
37:57
Die verstehen sich ganz sicher recht gut, alles verläuft sehr harmonisch, die werden Freunde und Houdini notiert da in seinem Tagebuch, they believe implicitly in Spiritualism, also sie glauben bedingungslos an den Spiritismus.
38:13
Und Herr Doyle hilft dann Houdini auch an Seancen teilzunehmen, also er vermittelt dann ein Medium, das erste Medium, das er trifft, ist Miss Britain, Aber obwohl Doyle sie wirklich sehr überschwänglich lobt, ist Houdini nicht überzeugt. Er schreibt, Miss Britain not convincing, simply kept talking in general. Also er ist nicht überzeugt, sie hat wohl nur sehr allgemein geredet. Das hätte ihn nicht überzeugt. Während Houdinis Zeit in Europa tauschen die sich viel aus, treffen sich regelmäßig.
38:44
Und das ist die Phase jetzt, in der Houdini wirklich so richtig ins Thema kippt.
38:50
Als er nämlich wieder in die USA zurückgeht, beschließt Houdini, dass er jetzt ein Jahr Bühnenpause machen will, um sich intensiver mit dem Spiritismus beschäftigen zu können.
39:00
Und das ist jetzt die Zeit in den frühen 1920er Jahren, in der Doyles Frau Jean Lecky auch beginnt als Medium zu arbeiten. Und zwar ist es bei ihr das automatische Schreiben, wo sie mit einem Stift in der Hand Briefe von Verstorbenen diktiert bekommt. Und 1922 plant Doyle dann eine USA-Tour.
39:22
Doyle und Houdini, die verbindet inzwischen jetzt eine echte Freundschaft. Also Houdini ist zwar skeptisch, aber er liest halt alles, was er über Spiritismus irgendwie in die Hände kriegen kann. Also alle Bücher von Medien über Medien, er tauscht sich mit Doyle über alles aus, was über Spiritismus so veröffentlicht wird. Und Doyle schreibt dann auch, I shall always be ready to see you. Also ich habe immer Zeit für dich, wenn wir uns treffen wollen.
39:47
Am 9. April erreichen die Doyles New York und Doyle tritt dann erstmal mehrfach in der Carnegie Hall auf und es geht eben um Geisterbeschwörungen. Unter anderem zeigt er auch Geisterfotografien, die er natürlich für echt hält. Insbesondere gibt es so Fotografien mit so Elfen, so kleinen Elfen. Oh, ja, ja.
40:07
Die haben sogar einen Namen.
40:09
Ich wollte mal eine Frage drüber machen, aber dann hat es nicht so viel hergegeben. Irgendwie die Cotswold Airs oder irgendwas soll sie nicht.
40:17
Am 10. Mai besuchen sie zum ersten Mal Houdini und seine Frau Bess in Manhattan und den Sommer beschließen die Dolls dann in Atlantic City zu verbringen, wie so viele in den USA. Und dorthin laden sie dann Houdini und Bess spontan ein. Es gibt einen Brief, wo sie schreiben, Why not come down, both of you? The children would teach you to swim.
40:39
Und tatsächlich, es ist Mitte Juni 1922, Houdini und Bess kommen also ins Ambassador Hotel, wo auch die Doyles unterkommen. Die verbringen den ersten Tag auch alle gemeinsam wie angekündigt im Hotelpool. Und am nächsten Tag allerdings wird das Ende ihrer Freundschaft eingeläutet, aber ohne dass sie es merken.
40:58
Alles beginnt am nächsten Tag, am 17. Juni 1922. Houdini schreibt in sein Tagebuch, dass er gerade am Strand gesessen ist, als Doyles Frau zu ihm kommt und eine Automatic Writing Seance anbietet. Er sagt zu, sie gehen ins Hotelzimmer. Doyle entschuldigt sich bei Bess, dass sie nicht mitkommen darf oder kann. Sie setzen sich also in den Raum, in das Hotelzimmer, sie verdunkeln den Raum und sie beginnt zu schreiben.
41:26
Ich habe das gleich mal übersetzt, weil es natürlich eigentlich ein englischer Text ist. Oh, mein Schatz, Gott sei Dank, endlich habe ich es geschafft. Ich habe es oft versucht, jetzt bin ich glücklich. Aber natürlich möchte ich mit meinem Jungen sprechen, meinem eigenen geliebten Jungen. Freunde, ich danke euch von ganzem Herzen. Und auf diese Art schreibt sie noch mehrere Seiten weiter. Noch deutet nichts auf den kommenden Streit hin.
41:50
Den letzten Abend in Atlantic City verbringen die Doys auch auf einer Party zum Hochzeitstag der Houdinis. Und Harry und Bess bringen die beiden dann sogar am nächsten Tag noch zum Hafen, als sie abfahren. Sie schreiben sich auch weiter, aber dann im Herbst beginnt es zu kippen. Und es hat eben mit der Seance Mitte Juni in Atlantic City zu tun. In der New York Sun veröffentlicht Houdini nämlich im Oktober einen Beitrag, in dem er schreibt...
42:16
Ich bin durchaus bereit, daran zu glauben, aber ich habe noch nie etwas gesehen oder gehört, das mich davon überzeugen könnte, dass es eine Möglichkeit der Kommunikation mit den geliebten Menschen gibt, die bereits verstorben sind. Und Doyle liest diesen Artikel und ist offenbar ernsthaft erschüttert, weil er denkt sich, was ist mit der Seance in Atlantic City? Weil er ist jetzt davon ausgegangen, dass Houdini, so wie er reagiert hat auf die Seance, dass er tief beeindruckt ist davon und dass er auch glaubt, was da passiert ist. Und Doyle nimmt es daher jetzt persönlich und deutet es auch als Angriff gegen seine Frau.
42:53
Und er schreibt Houdini jetzt einen Brief, in dem er meint, er wäre sehr enttäuscht und würde sich zu dem Thema jetzt mit ihm nicht mehr weiter austauschen. Sie können gerne weiter Freunde bleiben, wenn es um andere Themen geht. Und wer der eine jetzt das Thema gerne beenden möchte, fängt der andere gerade erst an.
43:09
Houdini antwortet nämlich, »Ich war bei der Seance von ganzem Herzen dabei und fühlte mich mit den Anwesenden verbunden. Doch der Brief war vollständig auf Englisch verfasst und meine verstorbene Mutter konnte weder die englische Sprache lesen, noch schreiben, noch sprechen. Ich wollte damals nicht darüber sprechen, denn meine Gefühle, der Versuch, die Anwesenheit meiner Mutter zu spüren, falls etwas überhaupt möglich war, hielten mich zurück, bis einige Zeit vergangen war und ich die Sache angemessen einordnen konnte.« Ich weiß, dass du das wie eine Religion betrachtest, aber ich persönlich kann das nicht.
43:41
Denn bis heute und trotz all meiner Erfahrungen habe ich noch nie etwas gesehen oder gehört, das mich wirklich bekehren könnte.
43:49
Und das, was er hier Doyle in einem Brief schreibt, das bekräftigt Houdini dann auch öffentlich. Und zwar in einem Beitrag im Dezember 1922 im Scientific American. Und jetzt verhärten sich die Fronten recht schnell, weil in diesem Beitrag bezichtigt er im Grunde ja die Doyles der Täuschung.
44:08
Während Doyle also jetzt immer mehr zum Sprachrohr der Spiritismusbewegung wird, versucht Houdini jetzt Medien zu überführen und sie als Scharlatane zu entlarven. Und es beginnt, man kann nicht sagen, es beginnt, aber ein großer Punkt ist, die Zeitschrift Scientific American kündigt jetzt auch mit diesem Beitrag von Houdini ein Preisgeld an, nämlich einen Preis in Höhe von 5000 Dollar.
44:32
Für alle, die eine schlüssige, übersinnliche Erscheinung vorgeben können. Das heißt, 2500 Dollar sollten an die erste Person gehen, die unter Testbedingungen ein übersinnliches Foto vorweisen kann und die anderen 2500 an die erste Person, der es gelingt, übernatürliche Fähigkeiten erfolgreich zu demonstrieren. Kleiner Spoiler, das Preisgeld wird nie abgeholt. Auch wenn es einmal sehr knapp war, wie wir gleich sehen werden.
44:59
Doyle ist zwar von der Jury nicht begeistert, also allein schon, dass Houdini drin sitzt, das hält er für, also er hält die Jury einfach für zu voreingenommen, aber er empfiehlt dann die seiner Meinung nach besten Medien zum Test für diese Jury.
45:15
Und es ist faszinierend, weil das ist jetzt die Phase, wo beide wirklich immer weiter reinrutschen. Also der eine immer mehr in die Rolle des Befürworters und der andere rutscht jetzt wirklich immer mehr in die Rolle des Aufdeckers.
45:28
Und Doyle kommt jetzt 1923 zu einer weiteren Tour in die USA. Sie treffen sich auch, bleiben weiter in Kontakt. Der Ton, der wird jetzt aber, gerade was die Zeitungsartikel betrifft, die jetzt rauskommen, immer rauer. Und Ende 1923 schreibt dann Doyle an Houdini, du zwingst mich, mich zu äußern und ich möchte dich keineswegs beleidigen, aber du kannst nicht beides haben.
45:53
Du kannst ein Thema nicht bitter und beleidigend, oft auch unwahr angreifen und dennoch Höflichkeiten von denen erwarten, die dieses Thema schätzen. Also im Grunde ist der Bruch jetzt offenkundig. Was uns zu Marjorie führt. Hast du von Mina Stinson, besser bekannt als Marjorie, The Blonde Witch of Lime Street, schon mal gehört? Nein.
46:14
Sie wohnt in Boston mit ihrem Mann, dem Dr. Cranton. Die beiden sind recht wohlhabend und die beiden interessieren sich für Spiritismus und die versuchen sich dann in Seancen. Und während diesen Seancen stellt sich raus, dass sie ein Medium ist, weil der Tisch sich bewegt.
46:31
Und die sind dann überzeugt davon, dass ihr verstorbener Bruder Walter Kontakt aufnimmt zu ihr. Und nachdem sie dann das in einigen Seancen gemacht haben, informieren sie den Doyle über ihren Fall und Doyle ist absolut begeistert von dieser Geschichte. Sie treffen sich dann auch in England zu einer Seance und Doyle ist absolut überzeugt davon, dass sie perfekt wäre für einen Test der Scientific American. Und zu diesem Test kommt sie jetzt auch, aber Houdini ist nicht anwesend.
47:00
Houdini ist dafür umso überraschter von den Berichten, die er dann anschließend in der Zeitung zu lesen bekommt. Da steht dann nämlich sowas wie Marjorie, the Boston Medium, Passes all psychic tests. Oder Scientists find no trickery. Und Houdini liest es und ist sauer. Weil er ist nicht eingeladen worden. Und der Verdacht, es hat schon einen Grund, warum er nicht eingeladen ist. Ja, schon. Und er erfährt, dass sie vorhaben, ihr das Preisgeld auszuzahlen. Und Houdini besteht darauf, dass er sagt, bevor dieses Preisgeld ausgezahlt wird, will er auch noch testen.
47:32
Mhm.
47:34
Und diese Seancen, die bekommen medial sehr viel Aufmerksamkeit. Die führen zwar dazu, dass das Preisgeld nicht ausgezahlt wird, führen aber auch zu sehr kontroversen Diskussionen. Also es führt jetzt zu sehr ins Detail, um diese Seancen nachzuerzählen. Aber es ist dann zum Beispiel so, dass Houdini lässt eine Vorrichtung bauen, die so ein bisschen wie ein Pranger aussieht. Also Marjorie schaut nur mit dem Kopf raus und die Arme rechts und links. Aha.
48:00
Woraufhin Marjorie dann ihren verstorbenen Bruder Walter manifestiert und sagt dann, ja auf diese Weise funktioniert es nicht. Hier wurde auch überhaupt ein Zollstock hinterlegt, um Marjorie ihren Betrug zu unterstellen. Und dann ist es tatsächlich so, dass hinter dieser Vorrichtung sich ein Zollstock befindet.
48:18
Und es entbrannt eine große Diskussion, wer hat ihn da hingelegt? Was für einen bewandten Satz mit diesem Zollstock? Also der Zollstock ist deshalb wichtig, weil Marjorie hat bei diesen Seancen zum Beispiel eine Box klingeln lassen, die unterm Tisch lag. Okay. Sie haben es normalerweise so gemacht, sie haben sich nebeneinander hingesetzt, die Box lag unterm Tisch und sie haben sich dann an die Hände genommen, dass sie also nicht die Hände benutzen kann und Houdini ist aufgefallen, dass die Box deshalb klingelt, weil Marjorie es gelungen ist, mit ihrem Fuß zu dieser Box vorzudringen und da diese Klingel zu betätigen.
48:53
Und deshalb baut er auch überhaupt diese Konstruktion, dass er, das sagt er gut, dann kann sie sich also nicht mehr so gut bewegen, dass sie zu dieser Box kommt. Und deshalb auch der Zollstock, weil da wäre quasi eine Möglichkeit gewesen, noch in der Ferne zu dieser Box zu kommen und die zu betätigen. Also das Geld wird auf jeden Fall nicht ausgezahlt, aber in der öffentlichen Wahrnehmung ist Margerids auch nicht wirklich des Betrugs überführt worden oder entlarvt worden. Danach, 1924, erscheint Houdinis wichtigstes Buch über Spiritismus und es ist wirklich so eine antispiritistische Streitschrift.
49:28
A Magician Among the Spirits heißt die.
49:31
Interessant ist, dass er mit Doyle da sehr milde umgeht. Also er unterstellt Doyle keinen Betrug, weil er davon ausgeht, dass Doyle wirklich davon ausgeht, dass Spiritismus funktioniert. Also er sagt, Spiritismus ist für ihn wirklich wie eine Religion und er glaubt wirklich daran, dass er mit den Toten kommunizieren kann. Und interessanterweise führt es dazu, dass selbst überführte Medien bei ihm zu keinen Zweifeln führen. Also er erkennt diese überführten Medien an und sagt, ja, gerade in den USA kommen die häufig vor, aber weil es diese Scharlatane gibt, heißt es nicht, dass der Spiritismus insgesamt falsch ist.
50:06
Aber genau das macht sich jetzt der Honinitzer Aufgabe, nämlich Medien zu überführen. Er macht jetzt nämlich sogar eine eigene Tour draus. Also er engagiert Leute, um spiritistische Medien zu entlarven und entlarvt sie dann auf der Bühne.
50:20
Bekannt ist zum Beispiel Rose McEnberg. Das ist seine Chefermittlerin, die sich darauf spezialisiert hat und mit Houdini zusammenarbeitet. Also sie leitet das Team von verdeckten Ermittlern, die für Houdini dann die Medien untersuchen.
50:35
Also er macht eine Tour 1925 und 1926 und Mecklenburg und andere Ermittler, die reisen dann einige Tage vor Houdini in die jeweilige Stadt. Die nehmen dann die dortigen Spiritisten unter die Lupe, arbeiten da auch mit Verkleidungen und falschen Namen. Am lustigsten fand ich den Namen Francis Rod für F.Rawd. Wenn du es zusammenziehst, ist es Fraud. Sehr gut. Oder Alicia Bank, Alicia Bank, all is a bank.
51:09
Also bei den Auftritten ist es dann eben so, dass Houdini dann auf der Bühne diese ganzen lokalen Medien entlarvt und er präsentiert dann eben auf der Bühne die gesammelten Beweise, dass es sich um Betrug handelt oder um eine Täuschung.
51:22
Und Mackenberg gibt dann später an, dass über tausend Medien untersucht hätte und nie jemand dabei gewesen wäre, der oder die nicht betrogen hätte. Und das ist jetzt auch schon das Beispiel, wo man wirklich sieht, so Houdini legt es jetzt wirklich darauf an. Also er kippt so sehr rein in diese Spiritismus-Geschichte, dass er anfänglich von jemandem, der interessiert ist an einem Thema, das sich mit Doyle austauscht, jetzt zu jemandem ist, der im Grunde alles dafür tut, die Medien zu entlarven.
51:50
Kurz nach dieser Tour stirbt Houdini allerdings.
51:53
Und das ist ja auch sehr bekannt. Kennst du wahrscheinlich auch, dieser Schlag in den Bauch. Erzähl. Kann man erzählen, ja. Es gibt die Geschichte, dass ihm jemand in den Bauch schlägt. Also die ist auch tatsächlich verbürgt. Er bekommt auch einen harten Schlag in den Bauch. Weil er sagt, man kann ihm in den Bauch schlagen und er kann ihm jeden Schlag aushalten. Es ist allerdings so, dass die Person, die da dann schlägt, sich kurz zurückhält und er in dem Moment seine Muskeln nicht angespannt hat und eben dann voll den Schlag in den Bauch bekommt. Es ist allerdings auch ein Stück weit ein Mythos, weil es ist so, die Todesursache, die dann am Ende festgestellt wird, ist eine Bauchfellentzündung infolge eines Blinddarmdurchbruchs.
52:30
Und jetzt ist die Frage, führt dieser Schlag zu der Blinddarmentzündung, was theoretisch, was ich gelesen habe, sein könnte, was aber eher sehr, sehr selten vorkommt. Die wahrscheinlichere Variante ist, dass er seine Bauchschmerzen auf diesen Schlag zurückführt und deshalb nicht zum Arzt geht.
52:50
Ah, okay. Ich meine, es hilft wahrscheinlich auch nicht, wenn man so eine Entzündung hat und dann haut er mir über den Bauch.
52:56
Davon würde ich auch ausgehen. Es gibt die andere Vermutung, wo es heißt, diesen Schlag, den braucht seine Frau deshalb, um die Versicherungssumme zu kassieren, weil es dann sozusagen Arbeitsunfall war. Funktioniert das? Er hat funktioniert, ja. Sie hat die doppelte Summe kassiert. Er stirbt am 31. Oktober 1926. 31. Oktober. Es könnte er kein passenderes Datum geben.
53:26
Stimmt. Er stirbt an Halloween.
53:29
Und dieses Jahr, Richard, Halloween 31. 10. 2026 ist der 100. Todestag von Houdini. Mhm.
53:36
Und Houdini hat mit seiner Frau Bess ein Zeichen vereinbart, woran sie erkennt, wenn er Kontakt zu ihr aufnehmen will. Die Botschaft ist Rosabelle Believe. Das ist der geheime Code. Zehn Jahre lang hält Bess nach Houdinis Tod jedes Jahr an Halloween Seancen ab.
53:54
Nach zehn Jahren hört sie auf damit und sagt, okay, sie glaubt nicht dran. Aber die Tradition der Seancen für Houdini an Halloween wird von Zauberkünstlern weltweit bis heute fortgeführt. Echt? Ja, ich weiß nicht, was du an Halloween dieses Jahr machst.
54:11
So einen Kalender anschauen. Jetzt werde ich wohl eine Seance abhalten. Sehr gut.
54:18
Richard, das war meine Folge über die neue Zauberkunst im 19. Jahrhundert, über Spiritismus und das Zerwürfnis zwischen Harry Houdini und Arthur Conan Doyle. Hervorragend, sehr gut.
54:30
Weder so viele schöne Verknüpfungen, aber auch so Lücken gefüllt.
54:35
Weil ich glaube, es war an der Zeit, dass wir mal diese Geschichte um Arthur Conan Doyle, Sir Arthur Conan Doyle, ein bisschen ausführlicher behandeln, weil er eben einige Male schon als dieser Vertreter und Verteidiger vor allem des Spiritismus vorkommen ist. Ja. Irgendwie noch mal erwähnt, auch in meiner Folge zum Piltdown Man. Ah. Weil da war eine Theorie, dass er für diesen Hoax verantwortlich ist, weil er sich rächen wollte dafür, dass man sich so über ihn lustig macht wegen seinem Glauben an den Spiritismus. Okay.
55:05
Aber hervorragend. Nein, es ist lustig. Diese ganze Geschichte um, ich möchte Leute, die banken, die im Grund zaubern, aber so tun, als wäre es echt. Weil das hast du ja heute auch noch. Also du hast ja heute auch noch, zum Beispiel, es gab ja lange Zeit, kennst du James Randi?
55:22
Ja, ja, ja.
55:24
Ist leider verstorben mittlerweile, aber der hat ja lange Zeit auch Preisgelder ausgeschrieben für jemanden, der im Grunde beweisen kann, dass er übernatürliche Fähigkeiten besitzt.
55:33
Ja. Und ist ja auch nie ausbezahlt. Ich glaube, der ist vor allem, also zum Beispiel Uri Geller ist ja einer von denen und ich glaube deswegen, das ist ja heute tatsächlich auch so bei Zauberern, dass die das gar nicht ausstehen können, wenn jemand zaubert und so tut, als wäre es tatsächliche Magie. Ja, genau, ja. Und Uri Geller zum Beispiel, der behauptet ja immer, dass er wirklich Löffel verbiegen kann. Und deswegen auch, glaube ich, immer Ziescheibe von James Randi gewesen in diesem Ding. Und ich glaube, er hat ihn ja in irgendeiner Show quasi schon so debunkt, weil er nicht seine präparierten Löffel verwenden hat können.
56:08
Also Uri Geller vielleicht, also in meiner Jugend war der groß, in deiner ja auch. Ich weiß nicht, ob das alle noch am Schirm haben. Aber Uri Geller ist bekannt dafür, dass er eben Löffel verbiegen konnte und dass er auch behauptet hat, wenn man zu Hause am Fernsehbildschirm mitgemacht hat, dass sich da auch die Löffel verbiegen.
56:22
Ja, ja.
56:22
Und das ist aber auch so bei den Mentalisten, die es ja auch gibt und die ja auch spektakuläre Dinge machen, die behaupten ja auch nicht, sie machen was Übernatürliches, sondern die sagen, die können dich halt einfach sehr, sehr gut lesen. Genau.
56:34
Und das ist ja auch richtig. Sehr gut. Sehr spannende Geschichte. Ich glaube, einige unserer Hörerinnen und Hörer sind jetzt auch zufrieden, dass Houdini einmal bearbeitet worden ist. Weil ich glaube, ich habe auch einige Houdini-Hinweise bekommen im Laufe der Zeit.
56:57
Ich habe tatsächlich keinen bekommen. Echt? Houdini? Nee. Keinen Houdini-Hinweis. Und an sich ist der Streit zwischen Houdini und Doyle ja auch sehr bekannt. Deshalb wollte ich Ihnen auch nicht nur diesen Streit erzählen, weil eigentlich war mein Plan, als ich angefangen habe, die Folge vorzubereiten, wollte ich über das Zaubern reden. Und wie... im 19. Jahrhundert so diese großen spektakulären Bühnenshows zustande kommen, dass sich das Zaubern oder die Zauberkunst einfach da maßgeblich verändert hat.
57:26
Ich sehe gerade, Lukas hat was geschrieben, also wollte was zu Houdini, vor allem auch diese Spiritismus-Geschichte. Und Tom hat auch über Huda, oder Huda, wollte. Und Kai hat auch was zu Houdini. Also ja, ein paar Mal wurde schon angefragt, ob man was zu Houdini machen kann. Das hast du jetzt erledigt. Und gleich in Kombination mit Sir Arthur Conan Doyle. Zwei in einem. Hervorragend.
57:57
Ja, und dadurch, dass du ja schon öfter über spiritistische Themen gesprochen hast, dachte ich, jetzt bin ich mal dran. Ja, voll.
58:03
Nein, ich glaube, wir haben jetzt schon spiritistisch einige Sachen abgedeckt. Also wir haben den Mammler, wir haben ja auch mit der Anna Massona einmal über Spiritismus quasi dann die unterschiedlichen Ausformungen des Ganzen. Ein bisschen ja auch in die Anfänge vor dem Spiritismus mit dem Messmer und so weiter. Also ich glaube mittlerweile schon ganz gut abgedeckt hier. Stimmt. Die Spiritismus-Schiene. Ja.
58:27
Fällt noch zur Literatur. Ich bin über das Buch Final Seance von Massimo Polidoro gestolpert, der sich genau mit dem Streit zwischen Udini und Doyle beschäftigt, der selber, glaube ich, auch Zauberkünstler ist, soweit ich das gelesen habe. Und dann gibt es das Buch Verzauberte Moderne, Zauberkunst im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das ist die Dissertation von Sophie Oldenstein und eigentlich würde ich sagen Auslöse dieser Folge.
58:55
Und dann so allgemein zum Thema Spiritismus fand ich noch ganz gut. Ich weiß nicht, ob du das auch, das habe ich jetzt vergessen nachzuschauen, ob du das auch in deiner Folge hattest, Calling the Spirits, A History of Seances von Lisa Morton.
59:06
Ich glaube nicht. Ich glaube nicht. Ich habe ein paar so überviktorianisches, mal nachschauen. Nein, habe ich nie verwendet. Sehr gut.
59:17
Es gibt natürlich noch so einige Medien, über die man noch sprechen könnte, aber da haben wir noch Luft.
59:22
Ja, wir sind halt fertig mit diesem Werkel.
59:28
Nicht mit diesem Werkel, aber mit dieser Folge.
59:31
So gut wie. Sagen wir mal, eine Sache noch. Was würdest du sagen, ist der beste Film über Zauberei?
59:38
Naja, also ich gehe mal davon aus, dass du ja als Nolan-Fan auf The Prestige hinaus willst. Hervorragend, ja. Findest du? Ist er der beste Film? Ich kenne nicht mehr, ehrlich gesagt. Also ich weiß jetzt gar nicht explizit Filme über Zaubern.
59:56
Aber hast du The Prestige gesehen? Nein. Ich finde The Prestige ist hervorragend. Ist halt einer der unterbewerteten Filme, würde ich sagen, von Chris Nolan. Ja.
60:06
Aber es ist schon sehr hervorragend.
60:09
Aber ich habe viel gelesen über The Prestige jetzt in der Vorbereitung, weil tatsächlich ja vieles historisch verbirgt ist, was da passiert. Es ist schon eine Zeit her, dass ich ihn gesehen habe.
60:19
Aber ich habe mich sehr erinnert gefühlt an den Film, als du so beschrieben hast, das Aufkommen im 19. Jahrhundert.
60:26
Ja, hervorragend. Großartige Geschichte.
60:30
Du könntest wahrscheinlich noch einiges hinzufügen, aber ich gehe jetzt einmal davon aus, dass du nichts dagegen hast, wenn wir zum vierten und letzten Teil dieser Folge springen. Ja, ich würde sagen, lassen wir es gut sein für heute.
60:42
Gut, Feedback-Hinweis-Blog. Wer Feedback-Gameway zu dieser Folge oder anderen kann, das per E-Mail machen. Feedback-at-geschichte.fm kann es auf den diversen Social-Media-Plattformen tun. Dort heißt man gemeinhin Geschichte.fm. Da findet man uns, indem man auf Geschichte.social geht und dann landet man direkt auf unserem Mastodon-Profil.
61:03
Und wer uns reviewen will, Sterne vergeben und solche Dinge, da eignet sich Apple Podcasts hervorragend dafür oder grundsätzlich einfach überall, wo man Podcasts bewerten kann. Und wer direkt in Folgen kommentieren will, wer ein bisschen Hintergrundinformationen, Bilder und solche Dinge und einfach auch Austausch mit unserer Community will, das gibt es alles bei Campfire. Einfach auf joincampfire.fm gehen.
61:30
die App installieren und dann unserer Community beitreten.
61:33
Merch gibt es unter Geschichte.shop und es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Podcast werbefrei zu hören. Bei Apple Podcasts gibt es den Kanal Geschichte Plus und bei Steady kann man sie den Feed kaufen für 4 Euro im Monat. Da gibt es alle Infos unter Geschichte.fm.
61:47
Wir bedanken uns in dieser Woche bei Jürgen, Susanne, Nikolas, Miriam, Elena, Michael, Thorsten, Lukas, Matthias, Barbara, Pauline, Volker, Marey, Marcel, Julia, Joe, Petra, Konstantin, Daniela, Irene und Jochen. Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung.
62:09
Ja, vielen herzlichen Dank und danke an Lene Kiebel fürs Schneiden dieser Folge. Tja Richard, dann würde ich sagen, Abrakadabra. Simsalabim. Ja, machen wir das, was wir immer machen, am Schluss einer Folge. Und geben wir dem einen das letzte Wort, das er immer hat. Bruno Kreisky.
62:34
Lernt ein bisschen Geschichte. Lernt ein bisschen Geschichte, dann werdet ihr sehen, wie der Reporter sich damals entwickelt hat. Wie der sich damals entwickelt hat.
62:48
Bevor es hier jetzt aber weitergeht, kommt noch eine kleine Werbeeinschaltung.
62:53
Hallo, hier ist Daniel Boschmann. Ja, der vom Frühstücksfernsehen. Ja, der mit den viralen Lachvideos. Dafür kann ich aber nix. Ich biete mal das Duo an und lade dich herzlich ein in meine Selbsthilfegruppe. Also, eigentlich ist es ein Podcast, aber gemeinsam ertragen wir den Wahnsinn da draußen einfach besser. In Zahltag rechnen wir mit der Woche ab. Mein Versprechen, wenn du Zahltag hörst, hast du in der Woche nix verpasst. Ich schaue auf die aktuell wichtigsten Zahlen, vor allem aber auf die Geschichten dahinter.
63:23
Was qualifiziert mich dafür? Ich bin 44 und damit genau deutsches Mittelmaß und ich interessiere mich leider für alles. Sport, deutsche Politik, Popkultur, Wissenschaft und natürlich das Internet. Und weil ich ja schon alles lese, musst du das nicht mehr machen. Dienstags und freitags ist ab sofort Zahltag. Mein neuer Podcast und unsere gemeinsame Selbsthilfegruppe. Reinhören, mitreden, mitdiskutieren. Der gut gelaunte Leuchtturm im wilden Bär der Nachrichtenflut.
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Jeden Dienstag und Freitag ist Zahltag. Online ab 5 Uhr morgens. Das wär das und dann hören wir uns.
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Jo, tschü. Ende der Werbung.